Black Box Wirtschaftskammer – WIR machen die Kammer GLASKLAR!

Überzogene Ausgaben beim Opernball, die Kassagreiferei einiger Fraktionen bei der Wahlkampffinanzierung, regelmäßig missglückte Kampagnen wie z.B. die Plattform Kaufhaus Österreich, Entscheidungen über die Mittelverwendung der Wirtschaftskammer im kleinen Kreis und hinter verschlossenen Türen, exorbitant hohe Rücklagen trotz COVID-Krise und – wie zuletzt – unverhältnismäßig hohe Ausgaben für Inserate in ungeeigneten Medien – all das und noch mehr zeigen wir hier auf:

INSERATE: WKO GIBT ca. 22 MAl so viel aus wie die BUndesregierung (im Verhältnis zu den Einnahmen)

Medientransparenzdaten Q1 + Q2 2021

Die Medienbehörde KommAustria veröffentlicht regelmäßig die Ausgaben für Werbeschaltungen (Inserate, TV-Spots etc.) aller öffentlichen Organisationen. In den Medien war diesbezüglich viel über die Werbeschaltungen der Bundesregierung zu hören – sind diese doch deutlich gestiegen. Aber auch die Wirtschaftskammerorganisationen müssen alle Werbeschaltungen ab einem Wert von 5.000 € melden. Wir haben uns die Zahlen für das 1. Halbjahr (Q1 + Q2) 2021 genauer angesehen.

Fazit:

Die WKÖ investiert vor allem in den Boulevard und in Kooperationen mit Ö3, obwohl die Unternehmer:innen andere Medien bevorzugen. Die Ausgaben dienen damit wohl kaum der Information der Mitglieder, sondern der breit angelegten Imagepolitur und Unterstützung von ÖVP-Positionen. Wir sehen darin einen Verstoß gegen die Vorgaben zur Mittelverwendung.

Im Detail:

Die Wirtschaftskammerorganisationen zusammen gaben im 1. & 2. Quartal 2021 ca. 7,5 Mio. € für Werbeschaltungen aus. Im Verhältnis zu den Einnahmen [1] von 505,9 Mio. € sind das 1,47 % aller Einnahmen.  Anzumerken ist hier, dass die Kammer im 4. Quartal erfahrungsgemäß deutlich mehr für Werbeschaltungen ausgibt; der Anteil der Schaltungen an den Einnahmen wird deswegen im Jahresschnitt vermutlich höher liegen.

[1] Quelle: 50% der in den Voranschlägen angeführten Einnahmen für 2021

Einnahmen vs Werbeschaltungen WKO
Einnahmen im Vergleich zu Werbeschaltungskosten

Im Vergleich dazu fallen die Werbeschaltungen der Bundesregierung deutlich geringer aus. Bei geplanten Einnahmen von 36,26 Mrd. € [2] und Ausgaben von 24,6 Mio. € [3] im ersten Halbjahr (Q1 + Q2) ergibt sich ein Prozentsatz von 0,068%. Die Wirtschaftskammerorganisationen haben demnach für Werbeschaltungen im Verhältnis zu den Einnahmen ca. 22 Mal so viel ausgegeben wie die Bundesregierung.

Auffällig ist auch die Auswahl der Medien, in denen vor allem die Bundeswirtschaftskammer/WKÖ inseriert. Während in den Länderkammern und Fachgruppen häufiger in zielgruppenspezifischen Branchenmagazinen oder Regionalmedien inseriert wird, sticht die Bundeskammer mit einer eindeutigen Gewichtung der Boulevardmedien sowie (erneut) Hitradio Ö3 hervor.

[2] Quelle: 50% von 72,52 Mrd. € laut: Budget 2021: Regierung rechnet mit deutlich steigendem Defizit | Parlament Österreich

[3] Quelle:  Regierungsausgaben: Presseförderung sinkt, Inseratengelder steigen – Etat – derStandard.at › Etat

Werbeausgaben 2021 Q1 + Q2 WKO
Werbeausgaben WKÖ nach Medium (Q1 + Q2 2021)

* alle Landeskammern + Fachorganisationen
** WKÖ = Bundeswirtschaftskammer

Welche Medien werden von Unternehmer:innen konsumiert?

Noch haarsträubender wird die Werbeschaltungspolitik der Bundeswirtschaftskammer, wenn die Zahlen in Verhältnis zum Mediennutzungsverhalten [4] von Selbstständigen bzw. Unternehmer:innen gesetzt werden.

Die Daten der Reichweitenanalyse (Print, Radio, TV), unterteilt nach Berufsgruppen, haben relativ klar ergeben, dass Selbstständige bzw. Unternehmer:innen überdurchschnittlich oft Qualitätszeitungen wie Der Standard & Die Presse sowie die Medien Tiroler Tageszeitung und Salzburger Nachrichten konsumieren. Die Wirtschaftskammer Österreich inseriert aber deutlich öfter in den Boulevard-Medien Heute, Österreich und Kronen Zeitung. Zum Beispiel lesen nur 3 % der Unternehmer:innen die Tageszeitung Heute, die Wirtschaftskammer schaltet dort jedoch allein im ersten Halbjahr Inserate im Wert von fast 200.000 €. Ähnlich ist das Bild in Bezug auf die Mediengruppe Österreich: Während nur 3,3 % der Unternehmer:innen Österreich konsumieren, inseriert die WKÖ dort über 130.000 €.

Dem gegenübergestellt lesen weit mehr Unternehmer:innen Der Standard (10,7 %) [5] oder Die Presse (6,8 %), die aber im Vergleich mit den Boulevard Medien nur einen Bruchteil der Summen erhalten (Der Standard: ca. 51.000 € & Die Presse: ca. 58.000 €). Noch deutlicher ist die Schieflage bei der Wiener Wochenzeitung Falter: Unternehmer:innen zeigen laut Media-Analyse eine hohe Affinität für den Falter – die WKÖ schaltete jedoch kein einziges Inserat, keine einzige Werbeschaltung.

Auffallend sind erneut die beträchtlichen Summen, die die Bundeswirtschaftskammer für Werbeschaltungen in Ö3 ausgibt: Im 1. Halbjahr 2021 waren das in etwa 685.000 €. Das entspricht mehr als einem Viertel des Werbebudgets.

Was genau will die Kammer also mit ihrer Inseratenpolitik bezwecken?

Schon länger ist deutlich, dass sich die WKÖ nicht unbedingt als Vertretung aller österreichischen Unternehmer:innen sieht, sondern lieber das eigene Image pflegt und an der einseitigen Beeinflussung der Öffentlichkeit interessiert ist. Doch gerade in einer Zeit, in der so viele – vor allem kleinere Unternehmen – ums Überleben kämpfen, stellt sich die Frage nach einem sorgsamen Umgang mit den Kammermitteln. Die Unternehmer:innen bezahlen mit ihren Kammerumlagen derzeit nämlich nicht nur die bestimmt nötigen Informationskampagnen zu Corona-Hilfen etc., sondern auch die Auftritte von Harald Mahrer im Ö3-Wecker bzw. Inserate in Medien, die sie selten konsumieren.

Die Kammer sollte in Bezug auf ihre Werbe- und Inseratenaktivitäten endlich einen Weg der Sparsamkeit sowie der Zweckmäßigkeit einschlagen, anstatt die Gelder der Mitglieder für die eigene Inszenierung auszugeben.

Harald Mahrer
Harald Mahrer (© APA/Herbert Neubauer)

[4] Quelle: Media-Analyse TMC: TMC | The Media Consultants – Unabhängige Mediaberatung

[5] Die Anteile wirken auf den ersten Blick auch nicht sonderlich hoch, verglichen mit der Auflagenstärke der jeweiligen Medien ist der Unterschied jedoch deutlich. Das zeigt auch die Affinität der Unternehmer:innen für bestimmte Medien: Der Standard, Die Presse, Salzburger Nachrichten und Tiroler Tageszeitung sind die einzigen Tageszeitungen, bei denen die Affinität der Zielgruppe deutlich über dem Durchschnitt liegt. Bei den Boulevardmedien liegt sie deutlich darunter.

Aufgedeckt! Dubiose Vorgänge in der WKO:

Auch der Wahlbetrug bei der letzten Wirtschaftskammerwahl gehört zum System der Black Box Wirtschaftskammer, denn die Kontrolle einer korrekten Wahlabwicklung und die Ergebnissicherung sind augenscheinlich nicht gewährleistet.

In Österreich sind alle gewerblich tätigen Unternehmer:innen gesetzlich verpflichtet Mitglied der Wirtschaftskammer zu sein. Deshalb zahlen wir Jahr für Jahr Pflichtmitgliedsbeiträge. Wie diese verwendet werden, ist aber für den Großteil der Mitglieder ein Rätsel.

Selbst die Funktionär:innen der Wirtschaftskammer erhalten nur wenig Einblick darüber, wer wie viel Geld von den Wirtschaftskammerorganisationen erhält.

Deshalb zeigen wir hier, was sonst niemand öffentlich macht. Wir schaffen Transparenz über die Höhe und die Verwendung der Pflichtmitgliedsbeiträge.

Und wir zeigen auf, wie diese Entscheidungen zu Stande kommen. Denn meistens entscheidet ein ganz kleiner Kreis von Spitzenfunktionär*innen hinter verschlossenen Türen über ganz große Summen.

Wichtigste Grundlage aller Beschlüsse sind die Budgets aller Wirtschaftskammern und aller Fachgruppen und Fachverbände. Die Beratungen und die Beschlüsse über die Voranschläge und die Rechnungsabschlüsse dürfen laut Wirtschaftskammergesetz nur in öffentlichen Sitzungen getroffen werden. Diese Bestimmung wird aber häufig nicht eingehalten. Deshalb stellen wir die Budgets hier öffentlich zur Verfügung.

Noch mehr dubiose Vorgänge in der WKO…

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